Industrie Deutschland
Blindfleck der deutschen Industriestrategie: Warum wird das öffentliche Auftragswesen nicht ausreichend aktiviert?
Analysieren Sie, ob Deutschland in der Strategie Industrie 4.0 und fortschrittliche Fertigung den Hebel der öffentlichen Beschaffung ausreichend nutzt, um die heimische industrielle Aufwertung voranzutreiben, und vergleichen Sie dies mit der Praxis in Ländern wie Indien und Bangladesch.
Einleitung: Was fehlt im "Werkzeugkasten" der deutschen Industriepolitik?
Als das Bundeswirtschaftsministerium mit der Nationalen Industriestrategie 2030 groß auftrumpfte und Milliarden Euro für die Batterieproduktion und die Wasserstoff-Wertschöpfungskette bereitstellte, wurde ein entscheidendes Instrument vernachlässigt – die öffentliche Beschaffung. Im weltweiten Aufschwung der Industriepolitik überdenken die USA, die EU, Indien und sogar Bangladesch die Rolle des Staates als größten Käufer. Hat Deutschland diesen Hebel übersehen, der die Fertigungslandschaft neu gestalten könnte?
Hintergrund: Die Rolle der Beschaffung in der Wiederbelebung der globalen Industriepolitik
Wie *The Business Standard* in seiner Analyse des Haushalts von Bangladesch für das GJ27 feststellt, steckten die USA durch den CHIPS and Science Act 39 Milliarden Dollar an direkten Subventionen, die EU gab zwischen 2014 und 2020 67 Milliarden Euro für das Programm "Intelligente Spezialisierung" aus, und Deutschland, Frankreich, Japan und andere Länder haben nationale Unterstützungsstrategien für Elektrofahrzeuge, erneuerbare Energien und fortschrittliche Fertigung aufgelegt. Diese Strategien konzentrieren sich jedoch überwiegend auf Subventionen auf der Angebotsseite, während Indien einen anderen Weg einschlägt: Durch die "Public Procurement (Preference to Make in India) Order" wird gefordert, dass Lieferanten mit einem Lokalisierungsgrad von über 50 % bei staatlichen Ausschreibungen absolute Priorität erhalten; für einige Produkte liegt die Lokalisierungsschwelle sogar bei bis zu 70 %.
Tiefere Ursachen: Warum schweigt Deutschland zum Hebel der Beschaffung?
Der jährliche Markt für öffentliche Beschaffung in Deutschland beträgt rund 550 Milliarden Euro, etwa 15 % des BIP. Allerdings betont der derzeitige Rechtsrahmen (wie das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen) den niedrigsten Preis und den EU-weiten fairen Wettbewerb, was lokale Präferenzklauseln rechtlichen Hürden aussetzt. Der tiefere Grund liegt darin, dass die deutsche Industrie seit jeher auf technologische Führung und Exportorientierung setzt, nicht auf staatliche Aufträge zur Förderung heimischer Industrien. Doch jetzt, mit hohen Energiekosten, zunehmender chinesischer Konkurrenz und einem verzögerten Wandel zur Elektromobilität, schwinden die traditionellen Stärken. Wenn Deutschland weiterhin das Instrument der Beschaffung zur "Marktschaffung" ignoriert, droht es, das Fenster für den Aufbau von Skaleneffekten und Lernkurven in Schlüsselbereichen zu verpassen.
Auswirkungen auf die deutsche Industrie: Chancen vom Maschinenbau bis zur Elektromobilität
Deutschland verfügt über weltweit führende Branchen im Maschinenbau, in der Automobilzulieferung und bei Industriesoftware, aber viele Teilbereiche (wie Wechselrichter für Photovoltaik, Lokalisierungsgrad von Industrierobotern) leiden in letzter Zeit unter Importdruck. Wenn man sich Indien zum Vorbild nimmt und differenzierte Anforderungen an den lokalen Gehalt bei öffentlichen Verkehrsmitteln, medizinischen Geräten und IT-Hardware stellt, könnte die Nachfrage direkt angekurbelt werden: Beispielsweise würde die schrittweise Anhebung des Lokalisierungsgrads auf 60 % bei städtischen Busbeschaffungen einen berechenbaren Markt für Nutzfahrzeughersteller und Batterielieferanten schaffen; die Festlegung eines lokalen Anpassungsanteils bei der Beschaffung von Industriesoftware durch Regierungsstellen würde Unternehmen wie SAP dazu anregen, die heimische Innovation zu vertiefen.
Europäische und globale Auswirkungen: Das "Regelrennen" der BeschaffungAuf EU-Ebene erlaubt der 2024 verabschiedete Netto-Null-Industrie-Gesetz bereits die Berücksichtigung von "Resilienzbeiträgen" (d.h. lokale Lieferketten) in Ausschreibungen für erneuerbare Energieprojekte, dies wurde jedoch noch nicht auf die allgemeine öffentliche Beschaffung ausgeweitet. Sollte Deutschland als erstes Land auf Bundes- und Landesebene systemische Beschaffungspräferenzen einführen, könnte dies in Europa Nachahmung und Kontroversen auslösen – einerseits Stärkung der europäischen Fertigungsresilienz, andererseits mögliche Handelskonflikte. Vor dem Hintergrund des globalen Wandels der Industriepolitik vom "Subventionswettlauf" zum "Regelwettlauf" muss Deutschland einen Ausgleich zwischen der Einhaltung der WTO-Regeln und der Förderung der heimischen Industrie finden.
Langfristige Trendeinschätzung: Zukünftige Industriepolitik wird "beidseitig von Angebot und Nachfrage angetrieben"
In den nächsten 3-10 Jahren werden Industriepolitiken, die sich ausschließlich auf Forschungs- und Entwicklungssubventionen sowie Steuervergünstigungen stützen, zunehmend wirkungslos. Erfolgreiche Industriemodelle müssen auch die Frage lösen: "An wen verkauft man das Produzierte?" Die Stärke der deutschen Industrie liegt in ihrer technologischen Basis, die Schwäche in der unzureichenden Fähigkeit zur Nachfrageschaffung. Gelingt es, die öffentliche Beschaffung von einer administrativen Aufgabe zu einem strategischen Instrument zu erheben und neuen Bereichen wie Batterierecycling, grüner Wasserstoffanwendung oder Lösungen für intelligente Fabriken einen frühen Markt zu bieten, könnte Deutschland seine Position als High-End-Fertigungszentrum bis 2040 festigen. Andernfalls droht bei fortgesetzter "Subventions-Abwarte"-Logik der Verlust der Initiative in den nächsten Generationen grüner Technologien und digitaler Fertigung.
SEO-Beschreibung Basiert die deutsche Industrie 4.0-Strategie zu stark auf angebotsseitigen Subventionen? Dieser Artikel untersucht, wie öffentliche Beschaffung als Instrument zur Nachfrageschaffung zu einem unvermeidlichen Weg für das Upgrade der deutschen Fertigungsindustrie werden könnte.
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