Automobil & Mobilitaet

Die deutsche Automobilindustrie 2035 aus Sicht der Gewinnpool-Verlagerung: Die Logik der Industriestrukturierung, die der Deloitte-Bericht aufzeigt

Deloitte veröffentlicht die Studie „Zukünftige Mobilität bis 2035" und konzentriert sich auf fünf große Automobilmärkte in den USA und Europa. Es wird prognostiziert, dass sich der Mobilitätsmarkt fast verdoppeln wird und es 11 Veränderungen im Gewinnpool geben wird. Dieser Artikel interpretiert dies aus der Perspektive der deutschen Industrie und analysiert die tiefgreifenden Auswirkungen dieses Trends auf das deutsche Automobilherstellungssystem, die industrielle Lieferkette und die globale Wettbewerbslandschaft.

Vom Wandel der Gewinnpools zur deutschen Automobilindustrie 2035: Die Logik der industriellen Neuordnung, die der Deloitte-Bericht enthüllt

Einleitung: Wenn der Wert des Autos nicht mehr durch „Fertigung“ definiert wird

Für die deutsche Industrie ist das Auto nicht nur die tragende Säule der Exporte, sondern auch ein Symbol für Ingenieurskunst und technische Standards. Die jüngste Studie von Deloitte zur „Zukunft der Automobilität bis 2035“ stellt jedoch eine Prognose auf, die traditionelle Branchenakteure beunruhigen dürfte: In den nächsten zehn Jahren wird es bei den Gewinnpools der Automobilität zu mindestens elf signifikanten Verlagerungen kommen. Diese Veränderung ist kein einfaches Marktschwanken, sondern bedeutet, dass die zugrunde liegende Logik der gesamten Automobilwertschöpfungskette neu geschrieben wird – weg vom Fokus auf Fahrzeugbesitz und Hardware-Fertigung, hin zu Mobilitätsdiensten, Datenbetrieb und Nutzererlebnis.

Hintergrund: Deloittes Mobilitätsszenario für 2035

Die Studie von Deloitte konzentriert sich auf die USA und fünf europäische Länder (Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Großbritannien). Mithilfe von Führungskräfte-Interviews, Verbraucherumfragen und Simulationswerkzeugen für Gewinnpools zeichnet sie das Mobilitätsökosystem der nächsten zehn Jahre. Der Bericht weist darauf hin, dass der US-amerikanische Markt für Automobilität bis 2035 trotz vieler Unsicherheiten voraussichtlich fast doppelt so groß sein wird; der europäische Markt dürfte zwar etwas langsamer wachsen, aber ebenfalls eine Aufwärtstendenz aufweisen. Die Quelle des Wachstums sind jedoch nicht mehr die traditionellen Gewinne aus Neuwagenverkäufen und Lieferketten, sondern neue Dienstleistungsbereiche und digitale Geschäftsmodelle. Diese Schlussfolgerung hat für Deutschland, eine der am stärksten verdichteten Regionen der globalen Automobilindustrie, eine besonders weitreichende Bedeutung.

Ursachen: Warum verlagern sich die Gewinnpools?

Die Verlagerung der Gewinnpools ist kein Zufall. Zu den treibenden Faktoren gehören: die wachsende Präferenz der Verbraucher für nachhaltige Mobilität, der regulatorische Druck durch die Klimapolitik sowie die Digitalisierung, die Fahrzeuge von „eigenständigen Transportmitteln“ zu „mobilen Rechenzentren“ macht. Mit diesen Veränderungen lockert sich das Eigentumsmodell am Auto; Carsharing, abonnementbasierte Leasingmodelle und datenbasierte Zusatzdienste werden zu neuen Wertschöpfungsquellen. Geopolitik und die Neuordnung der Lieferketten beschleunigen den Rückgang traditioneller Gewinne zusätzlich.

Der Deloitte-Bericht betont besonders das Wort „Wert“. Für Mobilitätsdienstleister wie Werkstätten, Leasing- und Flottenmanagement-Anbieter ist es wichtiger denn je, die Veränderungen in der Wertschöpfungskette zu verstehen. Das bedeutet: Die Gewinne aus der reinen Automobilfertigung werden allmählich verwässert, während die Dienstleistungsgewinne rund um den gesamten Fahrzeuglebenszyklus im Aufschwung sind.

Auswirkungen auf die deutsche Industrie: Lassen sich Fertigungsvorteile in Servicevorteile umwandeln?

Das Gen der deutschen Automobilindustrie liegt in der Präzisionsfertigung und der technischen Effizienz. Im vergangenen Jahrhundert hat diese Positionierung Deutschland zum weltweit führenden Exporteur von Automobilen gemacht. Wenn sich die Gewinnpools jedoch von der Hardware hin zu Software und Dienstleistungen verlagern, könnten die traditionellen deutschen Stärken nicht mehr automatisch zu Wettbewerbsvorteilen werden.

Zunächst stehen die deutschen Automobilhersteller vor einem „doppelten Transformationsdilemma“: Einerseits müssen sie die Kapazitäten für Verbrennerfahrzeuge reduzieren, andererseits in Elektrofahrzeuge und Software-Plattformen investieren. Der Deloitte-Bericht zeigt, dass die Erwartungen der Kunden an digitale Erlebnisse und Mobilitätsdienste deutlich gestiegen sind. Das bedeutet, dass deutsche Unternehmen ihren bisherigen Fokus auf mechanische Komponenten auf den Aufbau von Daten-Ökosystemen verlagern müssen.Zweitens bietet die Infrastruktur von Industrie 4.0 in Deutschland einen guten Ausgangspunkt für intelligente Produktion, aber der Wertschwerpunkt von Automobilprodukten liegt nicht mehr an der Produktionslinie, sondern auf der Straße, in der Cloud und in Nutzungsszenarien. Wenn es deutschen Unternehmen nicht gelingt, ihre Fertigungskompetenz auf Serviceplattformen zu übertragen, könnten neue Akteure aus den USA und China ihren Marktanteil weiter untergraben.

Darüber hinaus wird die Verlagerung der Gewinnpools die Struktur der Lieferketten verändern. Traditionelle Tier-1-Zulieferer, die von Kernkomponenten des Verbrennungsmotors abhängig sind, werden mit schrumpfenden Gewinnen konfrontiert sein; neue Kernkomponenten wie Batterien, Halbleiter und Sensoren könnten hingegen die Branchenlandschaft neu formen. Ob Deutschland in Schlüsselbereichen wie Batteriechemie, Chipdesign und softwaredefinierten Fahrzeugen neue Wettbewerbsfähigkeit aufbauen kann, wird darüber entscheiden, ob seine Industrie von der unteren und mittleren Wertschöpfungsebene auf eine höhere Dienstleistungsebene aufsteigen kann.

Europa und globale Auswirkungen: Ein Rennen ohne Alternative

Dass die Deloitte-Studie fünf europäische Länder in den Fokus rückt, spiegelt die Schlüsselrolle des europäischen Marktes bei der Elektromobilität und der Mobilitätswende wider. Die CO₂-Emissionsvorschriften in Europa und das Ziel, ab 2035 den Verkauf neuer Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zu verbieten, setzen der Branchentransformation einen Zeitrahmen, bedeuten aber auch höhere Transformationskosten. Der US-Markt bietet dagegen eine größere Modellvielfalt und ein flexibleres regulatorisches Umfeld, was möglicherweise mehr Innovationskapital anzieht.

Auf globaler Ebene verändert die Verlagerung der Gewinnpools das Koordinatensystem der Wettbewerbsregeln. Chinas neue Elektrofahrzeugunternehmen haben mit Software und Elektronikarchitektur eine neue Fahrzeugkategorie definiert, während das US-Unternehmen Tesla durch Direktvertrieb und OTA-Updates die Kundenbeziehungen neu gestaltet hat. Wenn Deutschland nicht schnell bei Mobilitätsdiensten und Datenökosystemen handelt, könnte sich das Zentrum der globalen Automobilindustrie weiter von Europa zu den beiden Polen Ost und West verschieben.

Einschätzung langfristiger Trends: Die entscheidenden Variablen für die deutsche Automobilindustrie in den nächsten 3–10 Jahren

Mit Blick auf die Zukunft wird sich der Mobilitätsmarkt bis 2035 von einer durch Fertigung definierten Branche zu einem durch Dienstleistungen und Daten definierten Ökosystem wandeln. Für Deutschland sind insbesondere folgende Trends weiterhin von Bedeutung:

1. Die Verlagerung der Gewinnpools wird der Technologieverbreitung vorauseilen. Selbst wenn die Elektrifizierung langsamer als erwartet voranschreitet, werden softwaredefinierte Fahrzeuge und Abonnementdienste die Gewinnverlagerung weiter beschleunigen. 2. Deutsche Automobilhersteller werden voraussichtlich stärker auf branchenübergreifende Kooperationen angewiesen sein. Allianzen mit Technologieunternehmen, Energieunternehmen und sogar Planern urbaner Infrastruktur werden zum Schlüssel für die Erschließung neuer Gewinnpools. 3. Die Industriepolitik muss sich stärker auf die Förderung eines „Mobilitätsökosystems“ statt bloßer „Automobilproduktion“ ausrichten. Politische Entscheidungsträger könnten 5G, Ladenetze und Datensouveränität zum Kern einer neuen Industriestrategie machen.

Die Deloitte-Studie zeichnet keine düstere Zukunft, sondern warnt: Der künftige Automobil- und Mobilitätsmarkt wird größer, aber der Anteil traditioneller Hersteller daran muss es nicht zwingend sein. Wenn die deutsche Industrie auch 2035 weiterhin eine zentrale Rolle in der globalen Automobilindustrie spielen will, muss sie das Vertrauenserbe von „Made in Germany“ in einen Innovationsmotor für „Mobilität aus Deutschland“ verwandeln. Das ist eine tiefgreifendere Revolution als die Ablösung des Verbrennungsmotors.

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  1. https://www.deloitte.com/global/en/industries/automotive/analysis/future-of-automotive-mobility-study.htmlPrimary

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